Luxuskinos auf dem Prüfstand

Begonnen von Filmgärtner, 10.02.25, 00:07

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Ein Ansatz, zu einer kritisch-sachbezogenen Wertung hinsichtlich jener Kinos zu gelangen, welche durch den Appendix "DeLuxe", "Lounge" etc. ein surplus, einen exponentielle Mehrwert, Qualitäts- oder Gütesiegel anstreben, anbieten oder suggerieren.
Exponentiell ins Auge stechend bleibt das lable für sich stehend jedoch unspezifisch: weder sind daran aber ein besonderes Soundsystem, ein überbordend breites Programm, die grösste oder hellste Bildwand, ein exklusiver Service, eine einzigartige Preispolitik oder Kundenbindung, noch soziale oder gemeinnützige Verpflichtungen festzumachen.

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LOUNGE

Luxus bieten in solchen Kinos oft sehr teure Sessel oder Service im Saal auch ein Erlebnis des Films auf der riesigen Bildwand durch neue Technik in Bild und Ton.

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So hat es mal der Herr Flebbe definiert, dessen Konzept sich meiner Wahrnehmung nach (ausgenommen Zoopalast der automatisch läuft) mittlerweile totgelaufen hat.

In Manchester eröffnete soeben kleineres luxuskino, das den Art deco-Stil der 1920er Jahre nachahmt:

https://www.manchestereveningnews.co.uk/whats-on/whats-on-news/first-look-inside-greater-manchester-30975761?fbclid=IwY2xjawIZUmJleHRuA2FlbQIxMQABHckpvokrl1oIS-pr-X9Gd4lDvItooyrUUFU1Cv6qOitzs0cCSLCUeru2IQ_aem_d6KkRfzsxJe9fQbAnml1Jg#my1zh1q4x2pzu196e8ioo2mfz006cwse

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Flebbe rettete mit seiner Loungeidee viele prachtvolle Einzelkinos vor dem Abriss.

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Diesen Herrn (und die Historiografie vieler unter seinem Namen laufenden Spielstätten) kennen wir recht gut (seit 1984).
Man könnte auch zu gegenteiligen Einschätzungen gelangen, dort, wo wichtige Häuser aufgrund seiner Expansion schlossen oder wo von ihm Traditionskinos aufgegeben worden (die er noch von Riech sr. "übernommen" hatte, obwohl dieser stets alle Mieten bezahlte).

Oft sind die unter seinem Namen laufende Traditionskinos nur zweite oder dritte Liga gegenüber den durch seine Schuld geschlossenen Großkinos. Zwar gab es unter Riech einen deutlicher sichtbaren Hang zum Herunterwirtschaften, gewisse degenerative Tendenzen entdeckte ich aber auch am letzten Wochenende bei meinem Besuch im Astor Grand Cinema Hannover.

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Aus welchem Grund trennte sich Flebbe vom Cinemaxx in Essen?

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Er wurde von der Aktionärsversammlung der Cinemaxx AG 2008 entlassen, da man ihm nachsagte, kaufmännisch nicht richtig kalkuliert ("gerechnet") zu haben - oder auch auf Druck des damaligen Mehrheitseigners Dr. Herbert Kloiber (Tele 5).

2008 besaß er m.E. nur den Filmpalast Berlin als letztes Kino, wenn ich mich nicht irre: den er gerade zur Astor Lounge umbauen wollte, also eines der letzten Kurfürstendamm Kinos (aus irgendeinem Grund tat er mir leid, ich dachte, man muss ihm helfen).

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30.10.25, 23:12 #7 Letzte Bearbeitung: 31.10.25, 10:21 von Filmgärtner
Wieder einmal lassen sich deklassierte Journalisten von den immer gleichen Kinokönigen einwickeln.
Man denkt jetzt ganz angestrengt nach über künftige Formen des Kinos. Man staune!

Zuvorderst ein greenhorn im Fokus, seines Zeichens Sohn des seit 1988 bekanntesten Hätschelkinds der Presse: Flebbe. Und beteuert, wie wichtig das valet parking, Bedienung am Platz und künftig auch tiktok-Strategien sind: Binsenweisheiten, mit denen man eben so ein Bordell aufmachen könnte - der Apfel fällt eben nicht weit vom Stamm.

https://www.ndr.de/kultur/film/kampf-gegen-streaming-und-hohe-preise-kino-als-gesamterlebnis,130jahrekino-100.html


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Luxuskinos waren eine sehr gelungene Erfindung um damit protzigen Heimkinobastlern nun endlich den Rang abzuschneiden und dadurch auch Kinobegeisterten strikt davon abzuraten richtige Kinos zu meiden da ja Filme nur im echten Kino ein perfektes Erlebnis.

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Aber irgendwie auch nur ein Reflex darauf und keine kino-eigene Revolution.

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Info der jüdischen Gemeinde Frankfurt am Main bzgl. Flebbes Luxuskino ( https://www.facebook.com/share/p/1HCdJFKoyu/ ):

Anlässlich der Absage der Kooperation mit der Jüdischen Gemeinde durch die Astor Lounge erklärt der Vorstand der Jüdischen Gemeinde Frankfurt: Die Absage der Kooperation durch die Astor Film Lounge ist ein alarmierendes Signal.

Mit scharfer Kritik und tiefem Unverständnis nehmen wir die Entscheidung des Kinos ,,Astor Film Lounge", die Kooperation mit der Jüdischen Gemeinde Frankfurt im Rahmen der Jüdischen Filmtage unter Verweis auf eine angeblich zu ,,heiße" Lage kurzfristig aufzukündigen, zur Kenntnis.

Als Begründung wird angeführt, man könne die Fortführung der Zusammenarbeit, die auch in diesem Jahr anlässlich der Jüdischen Filmtage erneut angestrebt wurde, den eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aufgrund der Sicherheitssituation nicht mehr zumuten. Der notwendige Polizeischutz hätte bereits beim letzten Mal, laut eigener Aussage der Astor Lounge, im ,,Team zu einem großen Gefühl der Unsicherheit" geführt. Auch sehe das Kino keinen wirtschaftlichen Vorteil bei einer Zusammenarbeit.

Der Vorstand der Jüdischen Gemeinde Frankfurt erklärt hierzu: ,,Diese Argumentation ist nicht nur enttäuschend, sondern sendet ein verheerendes gesellschaftliches Signal: Wenn jüdisches Leben und jüdische Präsenz aus Angst vor möglichen Reaktionen zurückgedrängt werden, dann bedeutet das faktisch eine Kapitulation vor antisemitischem Druck. Dass jüdisches Leben nur unter Polizeischutz stattfinden kann, ist bereits beschämend. Dass diese Notwendigkeit des Polizeischutzes nunmehr zum Anlass genommen wird, jüdische Veranstaltungen ganz zu verhindern, ist ein Skandal".

Besonders irritierend oder vielmehr entlarvend ist die Aussage des Kinobetreibers ,,Und zu guter Letzt, müsse es in einem Land wie Deutschland noch erlaubt sein, sich als Kino neutral zu verhalten."

Der Vorstand der Jüdischen Gemeinde stellt hierzu fest: ,,Bei Antisemitismus gibt es keine neutrale Haltung, diese bedeutet letztendlich Zustimmung. Die Konsequenz ist klar, Jüdinnen und Juden werden aus dem öffentlichen Raum verdrängt. Für uns bedeutet diese Entscheidung unmissverständlich, dass jüdisches Leben, jüdische Menschen sowie jüdische mediale Präsenz in der Astor Lounge nicht mehr willkommen sind.

Gerade jetzt, in Zeiten wachsenden Antisemitismus, wäre Haltung gefragt. Gerade jetzt bräuchte es Stärke, Rückgrat und Solidarität.

Kulturelle Einrichtungen tragen Verantwortung. Sie sind keine neutralen Räume, wenn es um Grundrechte und demokratische Werte geht. Wer sich in solchen Momenten zurückzieht, positioniert sich klar für die falsche Seite. Die Jüdische Gemeinde Frankfurt wird dies nicht einfach hinnehmen. Wir sind fest entschlossen, jüdisches Leben noch stärker und noch selbstbewusster auf allen Ebenen in die Stadt zu tragen und für ein friedliches und respektvolles Miteinander einzutreten".

Die Pressemitteilung finden Sie unter: https://jg-ffm.de/presse/pressemitteilung-anlaesslich-der-absage-der-kooperation-mit-der-juedischen-gemeinde-durch-die-astor-lounge