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F I L M G E S C H I C H T E => SAMMLUNGEN & ARCHIVE, KINEMATHEQUEN & MUSEEN => Thema gestartet von: A-Cinema am 21.01.26, 18:07

Titel: Dauerhaftigkeit von Filmmaterial
Beitrag von: A-Cinema am 21.01.26, 18:07
Ich hab nur als erste für viele weitere Fragen:

Gibt es grobe Zeitangaben zum Alterungsprozess verschiedener Filmmaterialien?

Hintergrund ist, dass unser Archiv jetzt beginnt zu digitalisieren und es dann sinnvoll wäre, mit dem verderblichsten anzufangen.

Ich hab nach digitaler Durchschau des Archives das Gefühl, dass man das nicht hätte Archivaren überlassen dürfen. Die Archivdatenbank ist sehr umständlich in ein normales Datenbanksystem zu überführen.

So wie ich es gerade erlebe, ist Midosa (https://midosaxml.archivschule.de/) komisch. Aber das schaue ich mir noch genauer an.

Titel: Aw: Dauerhaftigkeit von Filmmaterial
Beitrag von: Filmgärtner am 21.01.26, 22:28
Übersicht der gängigen Materialien und ihrer typischen "Verfallsdaten" bzw. Lebensspannen unter Archivbedingungen:

1. Nitrozellulose (Nitrofilm)
Das historischste und gefährlichste Material, das vor allem für 35 mm Filme bis etwa 1951 verwendet wurde.

Zeitraum: ca. 1895 bis Anfang 1950er Jahre.

Lebensdauer: Extrem variabel. Nitrofilm zersetzt sich chemisch von selbst. Unter schlechten Bedingungen kann er innerhalb von 30–50 Jahren zu klebriger Masse oder Pulver zerfallen.

Besonderheit: hochgradig brennbar und kann sich ab ca. 38–40 °C selbst entzünden. Im Archivwesen gilt er als "tickende Zeitbombe", muss in Spezialbunkern gelagert werden.

2. Triacetat (Sicherheitsfilm / Safety Film)
Eingeführt als nicht brennbarer Ersatz, findet man dieses Material bei fast allen 16 mm Filmen und bei 35 mm Filmen nach 1951, in der DDR ab 1956.

Zeitraum: Ab ca. 1920er (Schmalfilm) bzw. 1951 (35 mm) bis heute (heute nur noch bei Negativen und Interpositiven).

Lebensdauer: Bei Standard-Raumtemperatur oft nur 30 bis 70 Jahre.

Das "Essigsäure-Syndrom": Acetatfilme zerfallen durch Hydrolyse, wobei Essigsäure frei wird (stechender Geruch). Führt zum Schrumpfen und Sprödbau des Films, zur Verklebung Verklumpung der Filmwindungen.

Archiv-Tipp: Durch Kaltlagerung (unter 5 °C) kann die Haltbarkeit bei Triacetat auf über 100 Jahre gestreckt werden. Selbst bei beginnendem Vinegar Syndrom auf 20 Jahre verlängert werden.

3. Polyester (PET / Estar)
Das modernste und stabilste Trägermaterial, das seit den 1950er/60er Jahren (verstärkt ab den 1980er Jahren) eingesetzt wird, aber deutlich kratzempfindlicher ist.

Zeitraum: Ab ca. 1955. Massenhafte Durchsetzung erst in den 1990er Jahren bis heute.

Lebensdauer: Gilt als extrem langlebig. Schätzungen gehen von 500 bis 700 Jahren aus, sofern die Lagerung trocken und kühl erfolgt. Neuere Schätzungen bemessen nur 300 Jahre.

Erkennung: Polyester ist fast unzerreißbar (im Gegensatz zu Acetat) und chemisch sehr träge, weshalb es kein Essigsäure-Syndrom entwickelt.
Titel: Aw: Dauerhaftigkeit von Filmmaterial
Beitrag von: Apache Apache am 22.01.26, 02:43
Polyestermaterial ergibt aber mit der Zeit auch einen Rotstich im Bild. Und ein ganz perfektes Beispiel sind da etliche sechzehner Leihkopien sowie auch sehr viele super acht Filme.
Titel: Aw: Dauerhaftigkeit von Filmmaterial
Beitrag von: Filmgärtner am 22.01.26, 10:19
Beispiele?
Titel: Aw: Dauerhaftigkeit von Filmmaterial
Beitrag von: Apache Apache am 23.01.26, 03:25
Ja heute wohl fast jede sechzehner und super acht Kopie haben einen Rotstich im Bild. Agfa ist da vom Material her farblich wohl etwas stabiler bei Filmkopien.
Titel: Aw: Dauerhaftigkeit von Filmmaterial
Beitrag von: Filmgärtner am 23.01.26, 09:28
Mehr auf Triacetat?
Titel: Aw: Dauerhaftigkeit von Filmmaterial
Beitrag von: Apache Apache am 23.01.26, 19:29
Egal welches Material weil chemische Filme zersetzen sich im Laufe der Zeit in Bild und Ton.
Titel: Aw: Dauerhaftigkeit von Filmmaterial
Beitrag von: Apache Apache am 23.01.26, 19:31
Egal welches Material weil chemische Filme zersetzen sich im Laufe der Zeit in Bild und Ton.
Titel: Aw: Dauerhaftigkeit von Filmmaterial
Beitrag von: Filmgärtner am 25.01.26, 00:31
Polyester bei trockener und nicht zu kalter Lagerung eben nicht.

Die meisten Filme hätte man also auch auf Polyester Interpositiv sichern können und sich die teure Digitalisierung mit anschließender exorbitant teurer neuer Lichtbestimmung sparen können.