Kurz zum Kult der analogen Filmvorführung: Dieser Titel besitzt auf 35 mm keine Vorzüge, sondern nur Nachteile. Er wurde nicht im Vollformat von CinemaScope gedreht. Der durch den Produktionsprozess von Super 35 bedingte Absturz der Bildauflösung während der damals unvermeidlichen optischen Umkopierung (vom Letterbox- Ausschnitt einer sphärischen Aufnahme zum anamorphotischen Intermediate von 1986 mit ebenfalls unzureichenden Reproobjektiven) ist wahrlich kein analoger Genuss. (Der Verlust konnte erst ab 2000 durch Direktscans der Originalnegative umschifft werden.)
Auch auf 70 mm kein Zugewinn, außer, um das Dröhnen von Harold Faltermeyer (Kriegsmusik des Kapitals) um einige Dezibels steigern zu können.
Zu 40. Jubiläum, welches durch einige Kinos geistert, erlaube ich mir, einen Verriss zu verfassen:
TOP GUN ein Kultfilm der nicht nur über 50-Jährigen Anhänger von Soundtechnik im Kino. Und ein künstlerischer Tiefpunkt der 1980er Jahre.
Bei der Premiere wie auch bei Sichtung der 70 mm-Kopie interessierteschon gar nicht mehr, was Regisseur Tony Scott tatsächlich im Sinne hatte. Sondern ganz Anderes:
Wann ist ein Film faschistoid und ruft zur Mobilisierung auf?
Gedreht wurde er immerhin in der gefährlichsten Phase der Regentschaft Ronald Reagans. Gefeiert wird er noch heute von Nachgeborenen, die aus unerklärlichen Gründen für ihre technischen Projektionsanlagen hierin ein Spielzeug gefunden haben.
Folgende Argumente greifen die Schamlodigkeit eines Films wie TOP GUN auf:
1. Die Ästhetisierung von Gewalt und Technik
Kritiker wie der US-Rezensent Roger Ebert oder der deutsche Filmtheoretiker Karsten Witte (bei diesem hatte ich einst Filmwissenschaften studiert) zogen Parallelen zwischen der Bildsprache von Regisseur Tony Scott und den Werken von Leni Riefenstahl.
Der Körperkult: Die ständige Inszenierung gestählter, geölter Körper (oft im Gegenlicht) wird als Verherrlichung des "überlegenen Menschen" maskuliner Prägung gedeutet.
Technik-Fetischismus: Die Kamera liebkost die Kampfjets fast wie religiöse Reliquien. Die Maschine und der Mensch verschmelzen zu einer unbesiegbaren Einheit – ein Kernmerkmal faschistischer Ästhetik laut Theoretikern wie Walter Benjamin.
2. Die Abwesenheit von Politik und Moral
Ein häufiger Kritikpunkt ist, dass der Film Krieg von jedem politischen Kontext entkoppelt. Der militärisch-industrielle Komplex wird Naturgesetz und sich selbst nährender Zyklus.
Der gesichtslose Feind: Die Gegner tragen verspiegelte Visiere; man erfährt nie, warum gekämpft wird oder für welches Land sie fliegen (die berühmten "MIGs"). Bereits in der faschistischen Ästhetik wird der Feind als uniforme Masse anonymisiert.
Krieg als Sport: Der Konflikt wird zur reinen Leistungsprüfung stilisiert. Es geht nicht um Ideologie, sondern um "Professionalität" und das Ausmerzen von Schwäche. Faschismuskritiker sehen hierin die Reduktion des Menschen auf seine rein militärische Funktion. Als Ornament der Masse in Chiffres aufzufinden auch in Filmen von Fritz Lang.
3. "Pure Propaganda"
In seiner Abhandlung Looking Away: Reality and Resistance in Modern American Political Culture beschreibt der Autor Alan Nadel, wie Top Gun dazu diente, das "Vietnam-Syndrom" zu heilen. Auch wenn Indochina zum Grab wurde: Nation, Waffe und Flagge als Genom einer Herren-Rasse.
Das US-Verteidigungsministerium arbeitete eng am Drehbuch mit. Die Navy stellte Schiffe und Flugzeuge zur Verfügung und baute sogar Rekrutierungsbüros direkt vor den Kinos auf.
Kritiker werfen dem Film vor, den Zuschauer durch visuelle Überwältigung (die "MTV-Ästhetik") in einen Zustand der unkritischen Akzeptanz militärischer Macht zu versetzen.
4. Wichtige Stimmen und Referenzen, Autor / Medium Kernargumente
Paul Virilio analysierte in seinen Werken die "Logistik der Wahrnehmung" und wie das Kino die moderne Kriegsführung ästhetisch vorbereitet.
Quentin Tarantino (in einem berühmten Cameo im Film Sleep with Me) parodierte die Analyse, indem er behauptete, der Film sei eigentlich eine subversive Geschichte über unterdrückte Homosexualität, die gegen das maskuline System kämpft.
Markus Stiglegger hat sich intensiv mit der Ästhetik des "Seduktiven" (Verführerischen) im Kino befasst und zieht oft Verbindungen zwischen Machtinszenierung und Popkultur.
5. Einordnung: Faschistoid oder nur patriotisch?
Die meisten modernen Analysen nutzen eher den Begriff des Hyper-Patriotismus oder des Militarismus. Der Vorwurf "faschistoid" bezieht sich meistens auf die Form (die Art der Inszenierung von Macht, Elite und Körper), weniger auf eine explizite politische Ideologie im Sinne einer Parteidiktatur.
Hinweis: Es lohnt sich, nach Aufsätzen über die "Ästhetik des Spektakels" zu suchen, da TOP GUN als Prototyp für das moderne Blockbuster-Kino gilt, das Emotionen durch schiere visuelle Manipulation in der Nachfolge von TV commercials (T. Scott verdiente sich jahrelang sein Geld durch die Produktion von Werbefilmen) statt durch narrativen Tiefgang erzeugt.
TOP GUN - DOLBY STEREO A
Soundtrack ist wirklich absolut genial sowie auch das Bild in Scope und die Tonmischung.
Tja zuerst war meinerseits auch ein Besuch im Kino geplant nur ist auf digitalen Medium des Kinos leider eine neu verbastelte Tonspur und keineswegs Dolby so wie die chemisch analogen Filmkopien.
TOP GUN - DOLBY STEREO A
https://www.imdb.com/de/title/tt0092099/technical/?ref_=tt_spec_sm (https://www.imdb.com/de/title/tt0092099/technical/?ref_=tt_spec_sm)
Und liest man diesen absolut technischen Idiotismus zum Ton vergeht einem regelrecht die ganze Lust an diesem Film. Angabe eins ist absolut richtig zum Ton dieses Films. Nun einige Discs haben auch den richtigen deutschen Ton. Tonsystem der siebziger Filmkopie wurde hier gar nicht eingetregen zur Tontechnik.