Neueste Beiträge

#1
Um den Terminus einmal zu kapern für andere Zwecke, könnte bald eine Verleiher Sperre zu erwarten sein?
Der Protest richtet sich gegen ausufernde Werbeblöcke, explizit der AMC-Gruppe, welche das Publikum vergraulen:

https://www.facebook.com/share/p/1DKXDunCC9/
#2
Ernsthaft mein Gedanke seit Geraumem (bisher war ich fanatischer Authentizitätsfetischist - nur leider existieren für die Realisierung und ein Comeback weder die Industrie, konsektiv auch Fachkräfte und Budgets) nunmehr radikal in das vorhandene Material einzugreifen, es kreativ und künstlerisch (auch mit anderer Musik) umzugestalten.
Alte Filme besser machen als sie je waren!

Dazu gehören Tools zur Umwandlung in 3D, in Farbe, aber auch bikubische und intelligente Interpolationen, HDR und HFR usw.

An diesem Punkt finde ich die digitale Revolution zum ersten Male spannend und befreiend. Zuvor brauchte und wollte ich sie nicht.
#3
Mein Gedanke wäre ja, den Film in höchstmöglicher Qualität im Originalformat zu restaurieren (hier also schwarz weiss) und darauf aufbauend imaginierte oder gewünschte andere Versionen erstellen (es kann ja Projekte geben, die sagen: was wäre, wenn...).
Das könnte man dann sogar Projektionisten oder unter kuratorischer Verantwortung durchführen lassen.
#4
Heute jährt sich der 35. Todestag von David Lean.
Durch Zufall oder schon lange in der Pipeline hatten wir 1991 eine 70 mm-Reihe mit seinen Kolossalwerken im Kino International in Berlin lancieren können, zuvor eben dort auf der Berlinale bereits "Ryans Tochter" gezeigt und derartige Vorstellungen auch im In- und Ausland wiederholt: entweder in der Urania in Berlin, und Filmmuseum Frankfurt, auf Retrospektive "70mm: bigger than life" in Mailand, auf den tschechischen Filmfestival krrr! oder Panorama-Weekend u.a.

Dabei sollte auch an seine stilbildenden Frühwerke erinnert werden wie "Begegnungen", "Oliver Twist" oder "Summer madness".
Seine letzte Produktion sollte "Nostromo" werden, erneut sollte der 65/70 mm-Prozess aus der Versenkung geholt werden, welchen zu dieser Zeit weit und breit niemand mehr einsetzte.

Berlin hatten Leans Monumentalfilme nahezu in unendlichen Laufzeiten im Delphi Palast am Zoo und im Royal Palast im Europa Center in die Stadtgeschichte eingeschrieben. Irgendwann vor 10 Jahren verirrte sich auch eine abgespeckte Lean-Reihe in das Kino Arsenal zur Weihnachtszeit, wurde "Weihnachten mit David Lean" benannt, obwohl niemand dort den Regisseur sonderlich schätzte oder gar fromm gewesen wäre.
Auf ihn berufen sich heute noch die Star- und Blockbuster-Regisseure, konnten aber nicht eine  einzigen Titel mit gleichem epischen Atem auf die Beine stellen. Ziel hätte es sein können, ihn zu übertreffen - so aber haben ihn alle nur schlecht kopiert.

#5
UNBEKANNTE SEITEN VON KLASSIKERN / Thälmann-Filme
Letzter Beitrag von Filmgärtner - Gestern um 15:31
Zur häufigsten 140. Geburtstag des KP- und Arbeiterführer Ernst Thälmann ein Rückblick auf die beiden Filme der frühen DDR.
Ein Zeitdokument zweifels ohne, aber auch staatliches Auftragswerk mit affirmativer Zielsetzung.
Regisseur Kurt Maetzig war damit auch mit fast 100 Jahren nicht sehr zufrieden und glücklich geworden, die Vereinfachungen, Legendenbildungen würde er heute nicht mehr verteidigen (er schlägt sich auf die Seite Chrustchevs). Und so wirkt dieser Film auch etwas holzschnittartig und nicht differenziert wie man es von Filmkunst erwartet. Der erste Teil hieß "Sohn seiner Klasse", der zweite "Führer seiner Klasse".
Themen verteidigte eine autoritäre Partei-Disziplin, stand Stalin näher als Trotzki, hat sich aber auch verdient gemacht durch Einsatz gegen Krieg und Monopole.
Ab 1933 saß er 11 Jahre in Gefängnissen und Konzentrationslagern, bis auf direkten Befehl Hitlers in der auslaufenden Phase des Zweiten Weltkrieges seine Hinrichtung erfolgte.

Bemerkenswert auch, dass bei diesem Film erstmalig in  Kontinentaleuropa mit echtem Stereolichtton ein neues Tonverfahren eingeführt werden sollte. Vorher hatte aber 1935 Alan Blumlein in England einen Testfilm in Stereo vorgestellt.


https://m.ok.ru/video/229549214290


Kurt Maetzig über diesen Monumentalfilm der DDR:

https://youtu.be/rPsXvgr4rGo?is=Mw_zPl508ZqAcwOf
https://youtu.be/MOCEZvA30HU?is=Xn-MCRe0sRvfxVuG

__

Und 1986 entsteht ein weiterer Thälmann-Film unter Regie von Georg Schiemann - diesmal für das Fernsehen der DDR:

https://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Th%C3%A4lmann_(Film)

#6
Der spezielle Look des Films ist ersichtlich, auch in den 70 mm-Erstaufführungskopien vom Originalnegativ.

Bei dieser Produktion gibt es offensichtlich eine Kunstlicht-Problematik: The Sound of Music wurde auf Eastman Color Negativ 5251 aufgenommen, das für 3200K Wolfram-Licht (Tungsten) balanciert war. Die Filter-Nachteile: Bei den massiven Außenaufnahmen in Salzburg musste ein 85-Wrattenfilter (Orange) verwendet werden, um das Tageslicht auf die Kunstlicht-Balance des Films anzupassen. Dieser Filter schluckt etwa 2/3 Blendenstufen an Licht.
Aus weiteren Filtern resultiert jedoch eine Unterbelichtung trotz  forcierter Beleuchtung: Wenn die Produktion bei schlechtem Wetter (wie dem berüchtigten Salzburger Schnürlregen) mit riesigen Bogenlampen gegen das Grau und die Diffusionsfilter anleuchtete, war die effektive Lichtmenge auf dem Set eher am unteren Limit der Filmempfindlichkeit jener Zeit 50 ASA). Das Resultat ist ein vergleichsweise dünnes Negativ, das beim Scannen in 4K/8K ein unruhiges, grobes Korn in den Mitteltönen und Schatten provoziert.

Ein unterbelichtetes Negativ neigt ohnehin zu grobem Korn, da die Schattenbereiche nicht genügend ,,Fleisch" (Silberhalogenid-Dichte) hergeben, um eine glatte Fläche zu bilden.

Warum wirkt aber damit verglichen "Die Bibel" oder "Grand Prix" schärfer oder brillanter? Diese Produktionen entstanden im selben Zeitraum. "Grand Prix" wurde oft bei gleißendem Sonnenlicht (hoher Kontrast, satte Belichtung) gedreht, was zu extrem dichten, optimal belichteten Negativen führt.
Dem gegenüber steht die optische Diffusion: Regisseur Robert Wise nutzte bei "The Sound of Music" gezielt Diffusionsfilter (evtl. Mitchell oder Netze - vielleicht lässt es sich noch nachlesen in 'American Cinematographer' oder anderen Publikationen) vor der Optik, um Julie Andrews weichzuzeichnen. Bei der 70 mm-Kopierung, wie auch etwas unter dem Level liegend, bei der 4K wird diese optische Unschärfe zusammen mit dem Korn kopiert/abgetastet, was im Vergleich zu der knallharten Schärfe eines Rennsportfilms ,,grieseliger" wirkt.

So hat man subjektiv den Eindruck, als wäre der aktuelle 8K-Scan, der für die nachgelagerten Heimkino-Medien, aber auch für 4K DCP und 4K UHD erstellt wurde, sogar anstelle des Originalnegatives von einem 65 mm-Interpositiv angefertigt worden. Obwohl das farbliche Ergebnis herausragend ist.
#7
Stimmt, sehen viele so.
Dennoch hatte ich damit enormen Spaß und entdeckte die Dekorelemente, welcher nun räumliche vortreten und auch sogar dramatische Beziehungen zur Handlung aufbauen.
(In Schwarz-Weiß werde ich mir den Film daher nicht mehr ansehen, weil bereits 40 Mal gesehen.)
#9
Nun ja davon halte ich selbst rein gar nichts von einer digitalisierten Farbrestaurierung eines alten Films. Und auch werden manche farblose alte Filme nach einer digitalen Restaurierung sehr oft eher braun vom Bild.
#10
Faszinierende Musikauswahl (Holst oder Strawinsky? Jedenfalls später von Horner kopiert für "Aliens - die Rückkehr"):


Und die Bildqualität in der folgenden Version zieht einem die Socken aus vor Staunen! (Vielleicht könnte man den Soundtrack von oben auf diese Version überspielen?)


https://moonflix.com/metropolis-1927-the-new-pollutants-score/#/?playlistId=0&videoId=4