Übersicht der gängigen Materialien und ihrer typischen "Verfallsdaten" bzw. Lebensspannen unter Archivbedingungen:
1. Nitrozellulose (Nitrofilm)
Das historischste und gefährlichste Material, das vor allem für 35 mm Filme bis etwa 1951 verwendet wurde.
Zeitraum: ca. 1895 bis Anfang 1950er Jahre.
Lebensdauer: Extrem variabel. Nitrofilm zersetzt sich chemisch von selbst. Unter schlechten Bedingungen kann er innerhalb von 30–50 Jahren zu klebriger Masse oder Pulver zerfallen.
Besonderheit: hochgradig brennbar und kann sich ab ca. 38–40 °C selbst entzünden. Im Archivwesen gilt er als "tickende Zeitbombe", muss in Spezialbunkern gelagert werden.
2. Triacetat (Sicherheitsfilm / Safety Film)
Eingeführt als nicht brennbarer Ersatz, findet man dieses Material bei fast allen 16 mm Filmen und bei 35 mm Filmen nach 1951, in der DDR ab 1956.
Zeitraum: Ab ca. 1920er (Schmalfilm) bzw. 1951 (35 mm) bis heute (heute nur noch bei Negativen und Interpositiven).
Lebensdauer: Bei Standard-Raumtemperatur oft nur 30 bis 70 Jahre.
Das "Essigsäure-Syndrom": Acetatfilme zerfallen durch Hydrolyse, wobei Essigsäure frei wird (stechender Geruch). Führt zum Schrumpfen und Sprödbau des Films, zur Verklebung Verklumpung der Filmwindungen.
Archiv-Tipp: Durch Kaltlagerung (unter 5 °C) kann die Haltbarkeit bei Triacetat auf über 100 Jahre gestreckt werden. Selbst bei beginnendem Vinegar Syndrom auf 20 Jahre verlängert werden.
3. Polyester (PET / Estar)
Das modernste und stabilste Trägermaterial, das seit den 1950er/60er Jahren (verstärkt ab den 1980er Jahren) eingesetzt wird, aber deutlich kratzempfindlicher ist.
Zeitraum: Ab ca. 1955. Massenhafte Durchsetzung erst in den 1990er Jahren bis heute.
Lebensdauer: Gilt als extrem langlebig. Schätzungen gehen von 500 bis 700 Jahren aus, sofern die Lagerung trocken und kühl erfolgt. Neuere Schätzungen bemessen nur 300 Jahre.
Erkennung: Polyester ist fast unzerreißbar (im Gegensatz zu Acetat) und chemisch sehr träge, weshalb es kein Essigsäure-Syndrom entwickelt.