Zitat von: Filmgärtner am Heute um 01:11Mit der Margot Robbie hat er gleich zwei Titel gedreht, "Babylon - Rausch der Ekstase" und "Sturmhöhe", die bis auf einige Schwächen bei Nahaufnahmen und manchmal nicht ausreichend beleuchteter Hintergründe noch anziehend aussehen.
Zu den nicht ausreichend beleuchteten Hintergründe kommen inzwischen leider, meiner Meinung nach, völlig irrgeleitete Experimente mit LED-Wänden dazu (beziehungsweise in Wuthering Heights und viel auffallender in Noah Baumbach's Jay Kelly aus dem letzten Jahr, auch von ihm gedreht, bereits vorhanden), was bereits auch in diesem Trailer schon in gewissen Szenen sehr ins Auge sticht.
Zitat von: Filmgärtner am Heute um 01:11Die Aversion Villeneuves gegen Tiefenschärfe wird sich voraussichtlich bei dem im Vorfeld bereits bejubelten vollständigen Dreh in 65 mm von "Dune 3" in ein schlimmeres Desaster verwandeln als man es jemals bei Nolan entdeckte.
Also da finde ich den Odyssey-Trailer ja um einiges besorgniserregender. Villeneuve hat, auch wenns dann nur unscharf auszumachen ist, immer noch das Interesse an Bildkomposition und Skalierung. Nolan mit seinem "alles so schnell wie möglich drehen"-Mantra lässt inzwischen nur noch Hoytema die IMAX-Kamera auf der Schulter (jetzt ja etwas leichter damit der das auch die nächsten 20 Jahre durchhält) auf das, was halt gerade davor steht, halten (was inzwischen auch nur noch Matt Damon mit 10 Leuten in schlechtem Kostüm auf einer Wiese oder einem Wikingerschiff ist) Dabei natürlich die Blende so offen wie möglich lasse, damit man bloß nicht beleuchten muss. Klappt ja auch, für seine Fanboys und, durch Etablierung des IMAX-Markennamens seinerseits, inzwischen auch das generelle Publikum, ist das dann das epischste was sie je gesehen haben, ist ja schließlich alles auf IMAX gedreht und das gab es ja auch noch nie.
Zitat von: Filmgärtner am Heute um 01:11Es gibt aber auch sehr viele andere sehr gut fotografierte Filme, die zwar nicht zum Bereich der Kunstfilme oder politisch relevanten Filme zählen und oftmals bereits digital gedreht sind ("John Wick ").
John Wick Look mag ich wirklich gar nicht, aber wenigstens tut man auch nicht so, als hätte man auf Film gedreht, das ist ja immer eine peinliche Angelegenheit.
Hast du "The Secret Agent" von letztem Jahr geguckt? Auch einer der Best-Picture-Nominees. Toller Film, definitiv politisch relevant. Spielt in den 70iger Jahren in Brazilien, man versucht sehr die Zeitperiode zu emulieren, deshalb auch schön anamorphisch aufgenommen aber leider halt nur digital. Egal wie sie es auch versuchen, es funktioniert einfach nicht. Die Farbpalette sieht einfach komisch aus, die Linsen können noch so weich sein, man bekommt den stählernden Schein der Alexa 35 nicht weg.
Zitat von: Filmgärtner am Heute um 01:11Sobald aber eine Produktion auf Oscars schielt und eine Kunstproduktion behauptet, ist man plötzlich ganz erpicht auf Verfahrenen jenseits der Digitalität.
Also ersterem kann ich wirklich nicht zustimmen. Der letzte Gewinner des Besten Film-Oscars, der auf Film gedreht wurde, vor Oppenheimer in 2023, war 12 Years a Slave, ganze zehn Jahre davo, und auch der letzte Gewinner für Best Cinematography davor war 2016 La La Land (gedreht im Übrigen von Linus Sandgren). In den Jahren dazwischen war die Anzahl der nominierten Filme (für Cinematography), die auf Film gedreht waren: 2017: 1, 2018: 1, 2019: 2020: 0, 2021: 1 und 2022: 0. Die vermeintliche Korrelation zwischen Film und Oscar-Erfolg sehe ich da also nicht so ganz. Weder die Cinematography-Branch noch ASC, deren beider Mitgliedschaft gelinde gesagt zu 80% aus untalentierten (oder zumindest unpassionierten) TV-Karrieristen besteht, interessierte das die Bohne, geschweige denn die generelle Academy. Im Gegenteil, gerade in dieser Periode, wo bekannter Digitalliebhaber Roger Deakins mit Abstand der prominenteste Kameramensch der Welt gewesen sein dürfte, war man dem alten Film wahrscheinlich sogar, wenn schon, negativ konnotiert. Das Film seitdem so ein Comeback gemacht hat, liegt, meiner Ansicht nach, einzig und allein an einer Handvoll Regisseure und Filmemachern, die ihre analoge Vorliebe mit Ach und Krach die Dekade davor am Leben erhalten konnten, auch wenn sie vielleicht nicht ganz das Interesse an der Handwerksqualität des vergangenen Jahrhunderts haben.